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Handwerksforschung in Göttingen zielt stets auf den Nutzen für die Zukunft

Tagung zum 65-jährigen Jubiläum des ifh Göttingen diskutiert das Zusammenspiel von Handwerk und Wissenschaft

Fundierte Analysen am Puls der Zeit, wichtige Erkenntnisse für Regierungen und Parlamente - die Arbeitsergebnisse, die das ifh Göttingen in mehr als sechs Jahrzehnten vorgelegt hat, wurden durchweg positiv beurteilt, als am 16. Februar 2018 mehr als 150 Repräsentanten aus Handwerk, Politik und Wissen­schaft in Göttingen das 65. Gründungsjubiläum der Forschungseinrichtung feierten. Handwerks­präsident Hans Peter Wollseifer unterstrich, dass die Ergebnisse der ifh-Studien stets "auf die Zukunft" des Handwerks abzielten.

Karl-Wilhelm Steinmann, Vorsitzender der Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen, betonte den Nutzwert der Untersuchungen für die betriebliche Praxis, während der niedersächsische Wirtschaftsminister Bernd Althusmann die Qualität der ifh-Forschungsergebnisse für die Gestaltung wirtschaftspolitischer Rahmenbedingungen hervorhob.

Drei Kurzdarstellungen von neuen ifh-Untersuchungen stellten das Handwerk auf unterschiedliche Weise in den Fokus. So zeige sich, dass im deutschen Innovationssystem akademische und berufs­praktische Ausbildung, "Ingenieur und Handwerksmeister", qualitativ vorteilhaft für die Erzielung von Innovationen ergänzen. Auch sind die Einkommensunterschiede zwischen handwerklichen und Beschäftigten in anderen Sektoren bei einer differenzierten Betrachtung vor allem dem Ausbildungs­stand und nicht dem Handwerk als solchem zuzurechnen. Die Digitalisierung verändere zwar das Handwerk, allerdings nicht in Form radikaler Brüche, sondern eher in kleinen, betriebswirtschaftlich angemessenen Schritten.

Eine Podiumsdiskussion, bei der ZDH-Präsident Wollseifer, Göttingens Kreishandwerksmeister Christian Frölich, der niedersächsische Wirtschaftsstaatssekretär Berend Lindner und Bundestags­vizepräsident Thomas Oppermann Zukunftsherausforderungen des Handwerks erörterten, breitete einen großen Themenfächer aus, wo wissenschaftliche Studien der Weiterentwicklung des Hand­werks und anderer klein- und mittelgroßer Unternehmen Hilfestellung geben könnten. In ländlichen Räumen z.B. "geht ohne das Handwerk gar nichts", betonte Wollseifer und verwies darauf, dass diese Regionen "Zukunftsräume" seien. Die Bedeutung der dualen Berufsausbildung müsse im Fokus bleiben, stellten Frölich und Lindner fest, denn ausgebildete Handwerker seien ein bedeutender Wachstumsfaktor nicht nur im Handwerk, sondern in vielen anderen Wirtschaftsbereichen, in die Gesellen und Meister wechselten.

Auch Selbstkritik klang an: Angesichts des Fachkräftemangels und einer Unterrichtsversorgung an Berufsbildenden Schulen in Niedersachsen von 88 Prozent könne die "Meisteroffensive" der Landes­regierung nicht die einzige politische Initiative bleiben. Und eine Novelle der Handwerksordnung wie die von 2004, die den Meistervorbehalt stark einschränkte, "würde heute so nicht mehr umgesetzt werden," merkte Oppermann an. Er plädierte dafür, "einige Handwerke wieder hochzustufen", also wieder in den Geltungsbereich der Meisterpflicht zurückzuholen.

Trotz der Aufbruchsstimmung des Jubiläums, das den Weg in die künftige Forschungstätigkeit des ifh Göttingen weist, hieß es bei der Feier auch Abschied zu nehmen. Dr. Klaus Müller, seit 40 Jahren Wirtschaftswissenschaftler am ifh Göttingen und für rund zwei Jahrzehnte auch dessen Geschäfts­führer, wurde in den Ruhestand verabschiedet. Institutsdirektor Prof. Dr. Kilian Bizer dankte ihm für "Pflichtbewusstsein und Beharrungsvermögen" – auch unter dem Aspekt, dass sich das Institut im Exzellenzkonzert der Göttinger Universität gut behaupten konnte. Weggenossen aus Forschung, Handwerk und Politik zollten dem scheidenden Kollegen, Freund und Experten höchste Anerkennung für die Veröffentlichung dessen "makroökonomischer Bibeln" sowie seine markanten Impulse für handwerkspolitische Diskussionen, allen voran die europapolitische Diskussion um den Meister­vorbehalt. Müllers handwerksrelevanten Forschungen und Studien umfassen mehr als 100 Veröffent­lichungen, mit denen er wie kein anderer die Handwerksforschung in Deutschland in den letzten Jahrzehnten prägte.