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im Deutschen Handwerksinstitut e. V.

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Kleine handwerkliche Meisterbetriebe Keimzellen einer Existenzgründungskultur

ifh-Studie Nr. 87 "Zukunftspläne von Meistern und Betriebswirten des Handwerks" zeigt Zusammenhänge zwischen Bildungsmotivationen und dem Drang nach Selbstständigkeit

In einem Meister- bzw. Selbstständigen-Haushalt aufgewachsen zu sein, spornt viele junge Berufstätige offenbar zu einer vergleichbaren Karriere an. Eine umfangreiche Befragung von Meisterschülern an acht deutschen Handwerkskammern ergab, dass sie bei ihrer Entscheidung, die höchste Handwerksqualifikation anzustreben, ihre Motivation vielfach aus ihrem familiären Umfeld geschöpft haben. Mehr als die Hälfte der rund 1300 befragten Meisterkursabsolventen hat einen Meister in der Familie oder eine Person, die sich bereits selbstständig gemacht hat. Meist handelt es sich dabei um die Eltern, Onkel oder Tanten.

Mit der jetzt veröffentlichten Umfrage erforschte das Volkswirtschaftliche Institut für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen (ifh) die Motivation der Handwerksgesellen, wenn sie die Qualifizierung zum Meister oder zum Betriebswirt des Handwerks (BdH) anstreben, und ihre beruflichen Zukunftspläne. Neben der Zielsetzung, nach der Meisterprüfung die berufliche Selbständigkeit einzugehen, steht ebenso die Erwartung, beruflich aufzusteigen oder auf lange Frist eine Arbeitslosigkeit zu verhindern.

Die Motivation für die Meister- bzw. BdH-Weiterbildung ist hoch. Wenn das Meister-BAföG für die Finanzierung der Lehrgänge nicht ausreicht, greift etwa die Hälfte auf eigene Ersparnisse zurück. Teilweise wird auch nebenbei weiter gearbeitet oder man lässt sich von der Familie oder Freunden bei der Finanzierung helfen. Auffallend ist, dass ein knappes Drittel der BdH-Qualifikanten eine Förderung von ihrem Arbeitgeber erhält. Dies korreliert mit dem weiteren Ergebnis der Studie, dass die Hälfte der Betriebswirte des Handwerks in abhängiger Beschäftigung bleiben will und nur 15 Prozent Interesse an einer Selbständigkeit zeigen. Ein deutlicher Zusammenhang besteht auch mit der Beschäftigtenzahl der letzten Arbeitsstätte. Je größer der Betrieb ist, desto geringer ist die Neigung der Befragten zur Existenzgründung. Analog belegt die Studie, dass kleine Handwerksbetriebe bei ihren Mitarbeitenden ein höheres Interesse an der Selbstständigkeit wecken.

Insgesamt lasse sich die Meisterausbildung als ein Teil einer Gründungskultur charakterisieren. Aus dieser Kultur der Selbstständigkeit entstünden unternehmerische Vorbilder, in deren Fußstapfen die Junghandwerker und Meisterschüler treten wollten, schlussfolgert die Studie. Über das „Wie“ ihrer Selbstständigen-Karriere sind sich die Umfrageteilnehmer noch nicht klar. Insgesamt überwiegt eine Tendenz zur Übernahme eines bestehenden Betriebs. Auffällig ist, dass Männer häufiger eine Übernahme im Blick haben, während Frauen eher Interesse an einer Neugründung zeigen. Ältere Befragte tendieren eher zu einer Neugründung, während die Jüngeren eher eine Übernahme anstreben.