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Neue Studie des ifh Göttingen belegt geschwächte Stabilität und Ausbildungsbereitschaft von Existenzgründungen

ifh-Studie Bd. 94 "Stabilität und Ausbildungsbereitschaft von Existenzgründungen im Handwerk" zeigt, dass zehn Jahre nach der HwO-Novelle strukturelle Folgen deutlich sichtbar sind

Die herausragenden volkswirtschaftlichen Stärken des Handwerks als Reservoir für solide Existenzgründungen und Nachwuchsschmiede haben sich in den vergangenen zehn Jahren deutlich abgeschwächt. Als eine der Hauptursachen dafür macht eine neue Studie des Volkswirtschaftlichen Instituts für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen (ifh Göttingen) die 2004 novellierte Handwerksordnung (HwO) aus.

Im Zuge der Hartz-Reformen war für eine Reihe von Handwerksberufen der Meisterbrief als Voraussetzung einer Existenzgründung abgeschafft worden. Das ifh hat als Mitglied des Deutschen Handwerksinstituts (DHI) seitdem die Entwicklungen der handwerklichen Strukturen wissenschaftlich begleitet und erforscht. Dabei kam es den Autoren besonders auf die Auswirkungen der HwO-Novelle auf die Nachhaltigkeit der Gründungen und deren Ausbildungsverhalten an.

Bis 2004 hatte die Meisterprüfung als gute Qualifikation für die berufliche Selbstständigkeit für bestandsfeste Unternehmensgründungen mit einer auf fünf Jahre betrachteten Überlebensrate von rund 70 Prozent gesorgt. Der Wert gilt der Untersuchung zufolge auch bis heute annähernd fort, soweit es sich um zulassungspflichtige Handwerke (definiert nach der Anlage A der HwO) handelt, die nach wie vor auf den Meisterbrief verpflichtet sind. Bei den zulassungsfreien Handwerken (B1-Handwerke), für deren Ausübung seit 2004 keinerlei Qualifikation verlangt wird, brach jedoch die Überlebensrate seit Inkrafttreten der HwO-Novelle auf unter 50 Prozent ein. Existenzgründungen in den B1-Handwerken seien infolge der Zulassungsfreiheit nicht mehr sehr nachhaltig, stellt die Studie fest: Nach fünf Jahren seien fast 60 Prozent der Gründungen vom Markt verschwunden.

Auch die wichtige Ausbildungsfunktion des Handwerks habe durch die HwO-Reform gelitten. In den B1-Handwerken, die früher mit der obligatorischen Meisterpflicht verbundenen waren, bildeten vor der Novelle etwa 20 Prozent der Existenzgründer aus. Heute sind es nur noch drei Prozent, also nur noch gut ein Zehntel. Auch wenn heute viele ausbildungswillige Betriebe infolge der Situation auf dem Ausbildungsmarkt keinen geeigneten Bewerber finden, resümiert die ifh-Studie, dürfte trotzdem die HwO-Reform maßgeblich zu diesem negativen Effekt beigetragen haben.