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Forschungsinstitut
im Deutschen Handwerksinstitut e. V.

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Volkswirte-Forum 2017

Auf Einladung der Handwerkskammer Hamburg haben sich am 25. und 26. September 2017 die Volks­wirte des Handwerks zu einer zweitägigen Veranstaltung getroffen. Das diesjährige Volkswirte-Forum des Handwerks stellte Wissen als wertvolle Ressource gerade auch für die Handwerksunternehmen heraus. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten intensiv über die Wissensarten im Handwerk und betonten insbesondere die Rolle des Erfahrungswissens. "Handwerker verfügen über sehr viel wertvolles implizites Wissen. Gerade die Könnerschaft im Handwerk erfordert Erfahrungswissen in Bezug auf Materialien und Verarbeitungsbedingungen, welches nicht einfach aus Büchern zu erwerben ist", stellt Benjamin W. Schulze klar, der den Zusammenhang von Tradition und Innovation am handwerklichen Erfahrungswissen festmacht.

Ausführlich wurde auch über Innovationsprozesse im Handwerk, wirtschaftspolitische Maßnahmen und den Fachkräftemangel diskutiert. Letzterer könnte sich als entscheidend für die Innovationsfähigkeit der Unternehmen erweisen, denn Träger von Innova­tionen sind neben den Eigentümerunternehmen immer auch die Mitarbeiter. Deshalb ist eine solide Aus- und Weiterbildung im Handwerk auch von großer volkswirtschaftlicher Bedeutung.

Genau dieses Wissen auf geeignete Weise zu dokumentieren und dem Handwerk selbst, aber auch allen anderen zu zeigen, was es tatsächlich kann, ist das Ziel eines großen BMBF-Forschungsprojekts, dass das Volkswirtschaftliche Institut für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen (ifh Göttingen) zusammen mit Volkswirten und Anthropologen der Universität, dem FBH Köln und dem Zentralverband des Deutschen Handwerks durchführt. Anhand von der Intonation von Orgeln und der sogenannten Klangverhandlung sowie anhand des Lehmbaus demonstriert das Vorhaben, welches Erfahrungswissen besteht, welche Rolle es bei der handwerklichen Könnerschaft spielt und auf welche Weise es für zukünf­tige Innovationen zur Verfügung gestellt werden kann.

Um diese Erkenntnisse auch einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln, haben die Göttinger Forscher nun einen weiteren Projektantrag gestellt, der eine Ausstellung beinhaltet. Die Ausstellung soll von einem Workshop-Programm für Innovatoren im Handwerk und Schülerveranstaltungen begleitet werden. Die Ausstellung zeigt neben dem Erfahrungswissen auch den Zusammenhang zwischen der subjektiven Zufriedenheit und Könnerschaft von Handwerkern.

"Mit diesem Ausstellungsprogramm gehen wir als niedersächsische Handwerkskammern auf die Schüler zu und können damit zeigen, wie attraktiv das Handwerk ist", bringt es Reiner Strunk-Lissowski von der Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen auf den Punkt und bekräftigt den Wunsch, "dass dieses Vorhaben von der Breite des Handwerks getragen werden sollte." In dieselbe Kerbe schlägt Professor Bizer, der die Rolle handwerklichen Wissens für Innovationen betont und dem Vorhaben eine breite Resonanz im Handwerk wünscht: "Das Handwerk weiß mehr als es denkt und genau das zeigt die Ausstellung, für deren Umsetzung wir weitere finanzielle Unterstützung der Handwerkskammern benöti­gen."

Die Volkswirte behandelten außerdem die Alterssicherung im Handwerk, die regionale Potenzialanalyse des Handwerks in Baden-Württemberg sowie die Energieeffizienz von Kleinst- und Kleinunternehmen des Handwerks basierend auf einer Befragung von Handwerksunternehmen. Zum Abschluss diskutierte das Volkswirte-Forum das Forschungs- und Arbeitsprogramm des ifh Göttingen für die Jahre 2018 und 2019 und gab zahlreiche weitere Anregungen für die Arbeit des Instituts.