Studie des ifh Göttingen zur Betriebsdynamik und Resilienz des Handwerks in der Corona-Krise erschienen

4. Juni 2020

Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie haben weitreichende ökonomische Folgen für die deutsche Wirtschaft. Aufgrund des Shutdowns weiter Bereiche des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens sind viele Sektoren in erheblichem Maße von Umsatzrückgängen und Entlassungen bzw. Kurzarbeit betroffen. Auch Handwerksbetriebe melden Umsatzrückgänge im Zuge der Corona-Krise. Offen sind bislang jedoch die Folgen der Krise für die Betriebslandschaft, d.h. Gründungen und Betriebsaufgaben im Handwerk. Auf Basis von Ein- und Austragungen in die Handwerkskammerverzeichnisse von sechs Handwerkskammern für den Zeitraum von Januar 2007 bis Mai 2020 wurden Betriebsdynamik und Resilienz des Handwerks untersucht:

Insgesamt zeigen sich gravierende Effekte der Corona-Krise auf Ein- und Austragungen im Handwerk.

  •    Januar und Februar 2020 weisen leicht erhöhte Eintragungswerte auf.
  •    Bereits zwei Wochen vor den offiziellen Kontaktverboten im März beginnen Ein- und Austragungen
       zu sinken.
  •    Im April zeigt sich ein erheblicher Effekt der Corona-Krise: Im Vergleich zum April 2019 sinken
       die Gründungen um 23 %.

            - Von den Rückgängen bei den Gründungen sind in erster Linie das Ausbaugewerbe (-35 %)
              sowie die Handwerke für den privaten Bedarf (-24 %) betroffen.
            - Bei den Ausbaugewerben ist von einer Überlagerung mit den Effekten
              der Rückvermeisterung auszugehen.
            - Im Lebensmittelgewerbe (-54 %) und Kraftfahrzeuggewerbe (-26 %) 
              sinken die Eintragungszahlen ebenfalls deutlich, allerdings sind hier
              die Ergebnisse aufgrund der geringen Fallzahlen mit Vorsicht zu interpretieren. 
            - Die Rückgänge im Gründungsgeschehen betreffen das zulassungspflichtige
              Handwerk stärker.
  •    Die Austragungen sinken im Vergleich zum April 2019 um 54 %, wobei alle Gewerbegruppen
       betroffen sind.

Grund für die ausbleibenden Gründungen dürften die unklaren Zukunftserwartungen potenzieller Gründer sein. Als Gründe für die sinkenden Abmeldungszahlen sind die weitreichenden Stützungsmaßnahmen von Bundes- und Landesregierungen im Verbund mit Kurzarbeitergeld und Aufhebung der Insolvenzantragspflicht zu sehen.

Im längerfristigen Vergleich zeigt sich kein vergleichbarer Einfluss der Finanzkrise 2008/2009 auf Gründungen und Betriebsaufgaben im Handwerk.

Für die mittelfristige Entwicklung können lediglich Szenarien für die weitere Entwicklung des Handwerkssektors aufgestellt werden, die durch ein fortlaufendes Monitoring überprüft werden können.

  1. Rasche Erholung der Konjunktur, Nachholeffekte bei Gründungen und Betriebsaufgaben, in Summe kein Effekt auf Gründungen und Betriebsaufgaben.
  2. Vertiefung der Krise, stabile Nachfrage nach Handwerksdienstleistungen, steigende Gründungsanzahl durch „Notgründungen“, Vorkrisenniveau der Betriebsaufgaben.
  3. Vertiefung der Krise, sinkende Nachfrage nach Handwerksdienstleistungen, sinkende Gründungstätigkeit wegen schwacher Ertragsperspektiven, zunehmende Betriebsaufgaben.
  4. Vertiefung der Krise, sinkende Nachfrage nach Handwerksdienstleistungen, steigende Gründungsanzahl durch „Notgründungen“, erhöhter Wettbewerbsdruck bei sinkenden Erträgen führen parallel zu zunehmenden Betriebsaufgaben.

Download der Studie

Veröffentlichungen Newsletter Kontakt About us
Nach oben