Verbleibsverhalten und Tätigkeitsspektren der Nachwuchskräfte im Handwerk (DHI)
 

Bearbeitung

Dr. Katarzyna Haverkamp, Dr. Anja Gelzer

Auftraggeber

Deutsches Handwerksinstitut (DHI)

Projektziele

Auszubildende und neue Mitarbeiter zu gewinnen, stellt das gesamte Handwerk vor enorme Herausforderungen. Ebenso bereitet seit Jahren die Fluktuation der im Handwerk ausgebildeten Nachwuchskräfte Sorge. Wer indes Abwanderungstendenzen von Mitarbeitern ursächlich auf eine zu geringe Entlohnung im Handwerk zurückführt, stellt damit nur einen Teilaspekt dar. Eine jetzt erschienene Studie des Volkswirtschaftlichen Instituts für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen (ifh) über die Arbeitsmarktmobilität von handwerklichen Nachwuchskräften weist einige Gründe mehr nach. Zum Teil reichen sie sogar schon rund zehn Jahre zurück. Ferner haben sich in der Personalführung der meist kleinbetrieblich strukturierten Handwerksunternehmen über Jahre Defizite aufgebaut. Ein Übriges tut drittens der generelle Wandel der Wirtschaft hin zu mehr Dienstleistungsangeboten.

Eine bis heute nachwirkende Negativentwicklung verursachte zwischen 1995 und 2005 der massive Personalabbau von etwa 1,4 Millionen Arbeitnehmern, was damals knapp einem Viertel aller Beschäftigten im Handwerk entsprach. Der Wirtschaftsbereich erlebte eine gravierende Beschäftigungskrise. Viele Junghandwerker, die nach der Gesellenprüfung keine Anstellung in ihrem Handwerk erhielten, sind seither fürs Handwerk verloren gegangen, nachdem sie Arbeit in anderen Wirtschaftsbereichen gefunden hatten. Überdies nimmt durch den schon seit Jahren zu beobachtenden Strukturwandel der Wirtschaft hin zum Dienstleistungsbereich die relative Bedeutung der Produktionsberufe stetig ab. Menschen mit handwerklicher Qualifikation wenden sich aufgrund des größeren Stellenangebots immer häufiger dem tertiären Sektor zu. Der Anteil der "handwerkstreuen" Fachkräfte, d.h. die nach ihrer Handwerkslehre im Handwerk weiterbeschäftigt sind, liegt derzeit unter 40 Prozent.

Der Faktor Lohnniveau kommt laut der Studie erst seit Beginn der 1990er Jahre zum Tragen, als es sukzessive zu einer Abkopplung von der allgemeinen Lohnentwicklung kam. Die Bruttomonatsverdienste im Handwerk fielen seither deutlich hinter die Entlohnung in nichthandwerklichen Bereichen der Volkswirtschaft zurück. Aktuell sei im produzierenden Bereich von einem durchschnittlichen Verdienstunterschied von ca. 1.000 Euro auszugehen. Im Bildungswesen liege ein weiterer Schlüssel: Junge Menschen mit höheren Schulabschlüssen haben seltener die Handwerksberufe im Blick.

Bei Abiturienten, die an eine Handwerksausbildung ein Studium anhängen, ergebe sich daraus ein hohes Abwanderungsrisiko. Eine handwerksinterne Weiterbildung zum Techniker etwa oder zum Meister hingegen senke das Abwanderungsrisiko. Die Studie folgert daraus, dass die Schaffung bzw. Weiterentwicklung differenzierter und attraktiver Karrierewege eine geeignete Strategie für die stärkere Bindung an den Handwerkssektor sein könne.

Als Handlungsempfehlung regt die Göttinger Untersuchung an, die Vernetzung zwischen den ausbildenden und den vom Fachkräftemangel betroffenen Betrieben zu stärken. Mit einer frühzeitigen, betriebsübergreifenden und handwerksinternen Vermittlung ließe sich der frühen Abwanderung aus dem Handwerkssektor entgegen wirken, so die Autorinnen der Studie. Die zentrale Rolle könnten die Ausbildungs- und Betriebsberater/-innen der Handwerksorganisationen mit Kammern und Verbänden übernehmen, da sie aufgrund ihrer Beratungspraxis über kontextuales Wissen und vielfältige betriebliche Kontakte verfügen. Ferner wird empfohlen, die Bildungswege innerhalb des Handwerks neu zu gestalten oder so weiterzuentwickeln, dass Mitarbeiter nicht nur auf Leitungs- und Führungsfunktionen vorbereitet seien, sondern auch berufliche Spezialkarrieren einschlagen können.

Publikationen im Projekt

Haverkamp, K. & Gelzer, A. (2016). Verbleib und Abwanderung aus dem Handwerk: Die Arbeitsmarktmobilität von handwerklichen Nachwuchskräften. Göttinger Beiträge zur Handwerksforschung (Heft 10). Göttingen.


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