Ökonomische Argumente für duale Ausbildung (HWKs Niedersachsen)

Bearbeitung

Projektziele

Lange Zeit als deutscher Sonderweg abgetan, findet die duale Berufsausbildung aktuell europaweit neue Aufmerksamkeit. Insbesondere in Ländern, die von der Euro-Krise betroffen sind, verstärkt sich die Erkenntnis, dass dieses System der verzahnten Ausbildung in Betrieb und Berufsschule direkt dämpfenden Einfluss auf die Jugendarbeitslosigkeit hat. Das duale Ausbildungssystem steht jedoch auch vor umfangreichen Herausforderungen.

Die demografische Entwicklung führt dazu, dass immer weniger jungen Menschen aus der Schule ins Berufsleben wechseln. Eine neue Studie, die jetzt am Volkswirtschaftlichen Institut für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen (ifh) abgeschlossen wurde, hat das Potenzial der dualen Berufsausbildung bewertet und stellt „Ökonomische Argumente für die duale Ausbildung“ heraus.

Die Untersuchung verifiziert fünf Thesen, die nicht nur Vorteile aus Sicht der dual Auszubildenden und der Lehrbetriebe beschreiben, sondern auch positive staatlich-gesellschaftliche Perspektiven aufzeigen. Durch betriebliche Praxiserfahrungen und die große Nähe zum Arbeitsmarkt während der Lehrzeit erleichtert das duale Ausbildungssystem den Jugendlichen den Übergang in den Arbeitsmarkt. Eine duale Berufsausbildung ergibt überdies im Vergleich zu einer Person ohne Ausbildungsabschluss eine sogenannte „Bildungsrendite“, die etwa für einen Handwerksgesellen im Laufe seines Erwerbslebens als Einkommensvorteil in Höhe von durchschnittlich 80.000 bis 85.000 Euro kumuliert. Ferner schlussfolgert die Studie, dass insbesondere die duale Ausbildung im Handwerk auch zur gesellschaftlichen Integration der jungen Menschen beiträgt. Somit stellt die duale Berufsausbildung aus individueller und aus staatlich-gesellschaftlicher Sicht eine lohnende Bildungsinvestition dar.

Auch dem Ausbildungsbetrieb beschert das duale System reale Vorteile. Trotz hoher Aufwendungen können viele ausbildende Betriebe eine positive Kosten-Nutzen-Bilanz verbuchen. Diese zeigt sich vor allem unter Berücksichtigung des längerfristig erzielbaren Ausbildungsnutzens, wenn das Unternehmen durch die Übernahme eines ehemaligen Lehrlings und dessen Weiterbeschäftigung als qualifizierte Fachkraft hohe Personalgewinnungskosten einsparen kann.

Die Ausbildungsanstrengungen der Privatwirtschaft bedeuten zudem Einsparungen für den Staat. Die Göttinger Studie rechnet vor, dass die deutschen öffentlichen Haushalte im Falle eines rein vollzeitschulischen Berufsausbildungssystems allein im Jahr 2009 gegenüber der dualen Variante rund 3,9 Milliarden Euro höhere Bildungsausgaben zu tragen gehabt hätten. Außerdem ließen sich die öffentliche Aufwendungen weiter reduzieren, wenn das sog. Übergangssystem effizienter genutzt werden würde.

Die duale Berufsausbildung bietet folglich aus individueller, betrieblicher und staatlich-gesell­schaftlicher Sicht gewichtige Argumente dafür, dass sie durch gezielte Maßnahmen gestärkt werden sollte, lautet das Fazit der Studie. So kann das duale Ausbildungssystem auch zukünftig einen wichtigen Beitrag zur Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Volkswirtschaft leisten.


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