Generationswechsel im Handwerk: Handlungsbedarf aufgrund einer Erhebung in Niedersachsen

Müller, K. (1996). Generationswechsel im Handwerk: Handlungsbedarf aufgrund einer Erhebung in Niedersachsen. Göttinger Handwerkswirtschaftliche Arbeitshefte (Heft 34). Göttingen.

Der Generationswechsel mittelständischer Unternehmen steht gegenwärtig im Blickpunkt der wirtschaftspolitischen Diskussion. Der Grund hierfür dürfte vor allem darin liegen, daß in den nächsten Jahren viele Unternehmen übergeben werden müssen. Das Seminar für Handwerkswesen an der Universität Göttingen stellt nun erstmals eine umfassende Untersuchung über den Generationswechsel im Handwerk vor, in der die Probleme, die mit der Nachfolgeregelung verbunden sind, detailliert untersucht werden und eine Prognose über die Zahl der Übergaben und Übernahmen für die nächsten zehn Jahre im niedersächsischen Handwerk vorgenommen wird. Die Untersuchung wurde vom Niedersächsischen Wirtschaftsministerium gefördert und beruht auf Befragungen von allen Inhabern der 1994 in Niedersachsen gelöschten und neu eingetragenen Handwerksbetriebe sowie auf Interviews mit ausgewählten Jungunternehmern. Die wichtigsten Ergebnisse der Untersuchung lauten:

  1. Der Strukturwandel im Handwerk findet zu einem erheblichen Teil über Schließungen und Neugründungen von Betrieben statt. Nur etwa ein Drittel der Betriebe wird an einen Nachfolger, der zu 50 % aus der eigenen Familie stammt, übergeben.
  2. Die Altersstruktur der handwerklichen Betriebsinhaber ist derzeit relativ ungünstig. 50 % haben das 50. Lebensjahr bereits vollendet. Da die Inhaber mit durchschnittlich 61 Jahren in den Ruhestand gehen, folgt daraus, daß in den nächsten Jahren ein Anstieg der Löschungen in der Handwerksrolle zu erwarten ist. Insgesamt suchen bis zum Jahr 2005 in Niedersachsen etwa 16 500 Handwerksbetriebe einen Nachfolger.
  3. Die Prognose der zur Verfügung stehenden Übernehmer erfolgt über eine Vorhersage der Meisterprüfungen, da im Handwerk Existenzgründungen zu 70 % aufgrund dieser Prüfung vorgenommen werden. Die Zahl der Meisterprüfungen dürfte in den nächsten Jahren jedoch stark fallen, wofür einerseits der Bevölkerungseffekt (Abnahme der Zahl der Jugendlichen in den relevanten Altersgruppen) und andererseits der Berufswahleffekt (heute legen weniger Personen dieser Altersgruppe eine Meisterprüfung im Handwerk als vor 10 Jahren ab) verantwortlich sind.
  4. Hieraus folgt, daß ab dem Jahr 2000 ein erheblicher Nachfolgemangel im Handwerk auftreten dürfte. Es besteht die Gefahr, daß aus diesem Grund bis zu 6 000 Handwerksbetriebe schließen müssen.
  5. Dieses Problem ist auch deshalb so gravierend, weil bereits heute die Nachfolgeregelung durch viele Probleme erschwert wird. Hier stehen die Finanzierungsfrage für den Nachfolger und steuerliche Aspekte für den Übergeber im Vordergrund. Bei vielen Jungunternehmern zeigen sich auch Defizite in der Managementausbildung.
  6. Die Handwerksorganisationen bieten vielfältige Hilfen zur Unterstützung von Betriebsübergaben und -übernahmen an. In erster Linie sind hier die Betriebsbörsen zu nennen. Die Effektivität dieser Börsen kann jedoch noch verbessert werden.
  7. Öffentliche Finanzierungshilfen werden von etwa 30 % der Existenzgründer in Anspruch genommen. Geförderte Unternehmen haben in der ersten Zeit nach der Existenzgründung mehr Arbeitsplätze geschaffen.

Aufgrund der Ergebnisse der Untersuchung sind von einem das Projekt begleitenden Ad hoc-Arbeitskreis, dem Experten aus den Handwerksorganisationen und dem Ministerium angehörten, insgesamt 42 Handlungsempfehlungen diskutiert und verabschiedet worden. Diese Handlungsempfehlungen betreffen die Förderung der Bereitschaft zur Selbständigkeit im Handwerk, die finanzielle Förderung von Übernahmen, die Erhöhung der Erfolgsaussichten von Übernahmen, die Vorbereitung der Übergeber auf den Generationswechsel und die Effektivierung der Betriebsvermittlung. Die ausführliche Begründung der einzelnen Vorschläge ist sowohl in der Gesamtstudie als auch im Arbeitsheft enthalten.



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