Regionales Entwicklungskonzept Handwerk - Ein Instrument zur Stärkung handwerklicher Strukturen im regionalen Wirtschaftsgefüge -

Müller, K. (2002). Regionales Entwicklungskonzept Handwerk - Ein Instrument zur Stärkung handwerklicher Strukturen im regionalen Wirtschaftsgefüge -. Göttinger Handwerkswirtschaftliche Arbeitshefte (Heft 47). Göttingen.

In Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer Trier hat das Seminar für Handwerkswesen an der Universität Göttingen ein Regionales Entwicklungskonzept (REK) Handwerk für die Region Trier erstellt. In einem Arbeitsheft hat das Göttinger Institut den Aufbau und die Umsetzung eines solchen Konzeptes beschrieben, wobei auch methodische Fragen nicht zu kurz kommen.

Der Hintergrund für die Erstellung eines REK-Handwerk liegt darin, dass sich das Handwerk als einer der bedeutendsten Wirtschaftsbereiche Deutschlands in den nächsten Jahren großen Herausforderungen gegenüber sieht. Die Handwerksorganisationen müssen auf diese Herausforderungen rechtzeitig und zielgerichtet reagieren. Hierzu bedürfen sie eines fundierten Konzeptes, das in sich konsistent ist und auch die Flexibilität besitzt, sich Veränderungen der Rahmenbedingungen in der Zukunft anzupassen.

Die Zielsetzung des Regionalen Entwicklungskonzeptes Handwerk liegt daher darin, die Entwicklungschancen des Handwerks in einer Region zu verbessern. Dies kann nur gelingen, wenn genaue Informationen über die Existenzbedingungen des Handwerks in dieser Region vorliegen. Nur so können die Handwerksorganisationen die spezifischen Interessen des Handwerk in den regionalpolitischen Diskurs einbringen.

Das REK-Handwerk beruht im Wesentlichen auf zwei Säulen. Die erste Säule wird durch ein Stärken-Schwächen-Profil gebildet. Diese Momentaufnahme zeigt, ob das Handwerk in einzelnen Feldern positiv oder negativ von der Norm, also dem Handwerk in vergleichbaren Referenzgebieten (z.B. Bundesland) abweicht. Das Stärken-Schwächen-Profil beinhaltet eine Bestandsanalyse des Handwerks in der Region und Erklärungsansätze für die aufgezeigten Stärken und Schwächen. Die Erklärungsansätze fußen primär auf Indikatoren, die Hinweise für die Situation des gesamten Handwerks oder für einzelne Handwerkszweige in der Region geben. Solche Umfeldindikatoren sind beispielsweise die Entwicklung von Einwohnerzahlen, Zahl der Haushalte, Kaufkraft, interregionale Pendler- und Wanderungsbewegungen sowie die Industriedichte in einer Region. Diesem Verfahren liegen bestimmte Annahmen über den Zusammenhang zwischen dem jeweiligen Indikator und der Entwicklung des Handwerks zugrunde. Ein Beispiel soll dies verdeutlichen: Wandern viele Jugendliche aus dieser Region ab, hat das Handwerk größere Schwierigkeiten seinen Fachkräftebedarf zu decken als wenn das nicht der Fall ist. Eine zweite Informationsquelle bilden Workshops mit ausgewählten Handwerksunternehmern aus der Region. Hierüber können zusätzliche Erkenntnisse über die spezifische Lage des Handwerks im Untersuchungsgebiet gewonnen werden.

Beim Stärken-Schwächen-Profil ist nach branchenübergreifenden und branchenbezogenen Gesichtspunkten zu differenzieren. Bei der branchenübergreifenden Betrachtung werden die verschiedenen Umfeldbereiche des Handwerks einer genauen Analyse unterzogen. Dazu zählen Absatzmarkt, Arbeitsmarkt, Beschaffungsmarkt und sonstige handwerksrelevante Rahmenbedingungen (wie handwerksnahe Infrastruktur, regionale Steuern und Fördermaßnahmen).

Um Hinweise darüber zu bekommen, wie sich die gegenwärtige Situation des Handwerks in der Region in Zukunft möglicherweise verändern wird, werden als zweite Säule des REK-Handwerk prognostizierbare Entwicklungstrends in Wirtschaft und Gesellschaft ermittelt. Diese Trends basieren auf einer breiten Literaturanalyse. Um für das REK-Handwerk jedoch Verwendung finden zu können, müssen diese Trends konkretisiert und umformuliert werden, so dass die Auswirkungen auf das Handwerk vor dem Hintergrund der speziellen Bedingungen in der Region deutlich werden. Dabei gelten einige Trends für das Handwerk bzw. einige Handwerksbranchen bundesweit gleichermaßen, andere Trends wirken in der Untersuchungsregion stärker oder schwächer als anderswo. Zusätzlich lassen sich einige Trends finden, die nur für das Handwerk im Untersuchungsgebiet von Relevanz sind.

Auf Grundlage des gegenwärtigen Stärken-Schwächen-Profils und der zukünftigen Entwicklungstrends des Handwerks in der Region können Leitlinien für die Arbeit der Handwerkskammer in den nächsten Jahren vorgeschlagen und zusammen mit der Handwerkskammer diskutiert werden. Daraufhin muss untersucht werden, welche Aktivitäten von der Handwerkskammer bereits durchgeführt werden und welche Leitlinien dadurch schon abgedeckt sind. Aus dieser Zusammenstellung wird deutlich, welche Leitlinien noch zusätzlicher Aktivitäten bedürfen. Mit Hilfe dieses Verfahrens ist es möglich, ein konkretes Handlungskonzept für die Arbeit der Handwerkskammer in den nächsten Jahren zu erstellen. Die Umsetzung dieses Konzeptes ist dann primär Aufgabe der Handwerkskammer.

Wichtig ist, dass dieses Konzept nicht starr angelegt ist, sondern kontinuierlich überprüft und den Veränderungen der Umwelt angepasst wird. Dazu dient ein laufend zu aktualisierender Datenpool, der u.a. die wichtigsten handwerksrelevanten Daten der Region enthält. Damit wird gleichzeitig ein wichtiger Nebeneffekt des REK erreicht: ein Vademecum des Handwerks in der Region. Dieser Datenpool kann immer dann herangezogen werden, wenn bei der Erstellung von Gutachten, Statements, Reden etc. oder zur Vorbereitung von Sitzungen die Argumentation der Handwerkskammer durch aktuelles statistisches Datenmaterial untermauert werden soll.

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