Beschäftigung im Handwerk

Müller, K. (2005). Beschäftigung im Handwerk. Göttinger Handwerkswirtschaftliche Studien (Band 72). Duderstadt.

Die Personalpolitik hat für das Handwerk eine große Bedeutung. Bislang ist jedoch nur relativ wenig über die konkrete Ausgestaltung der Arbeitsverhältnisse bekannt. Mit Hilfe einer Auswertung der Daten des IAB-Betriebspanels 2003 nach der Handwerkseigenschaft bietet sich erstmals die Möglichkeit, hierzu genauere Einblicke zu gewinnen. Diese Daten sind auch deshalb besonders interessant, weil ein Vergleich mit der Gesamtwirtschaft möglich ist.

Das Handwerk ist im Vergleich zur Gesamtwirtschaft eher kleinbetrieblich strukturiert. 50 % der Betriebe haben weniger als fünf und 94 % weniger als 20 Mitarbeiter. Auch gesamtwirtschaftlich dominieren kleinere Betriebe. Die durchschnittliche Betriebsgröße liegt im Handwerk mit 7,6 Beschäftigten je Betrieb jedoch nur etwa halb so hoch wie in der Gesamtwirtschaft.

Das Handwerk zeichnet sich nach wie vor durch einen hohen Facharbeiteranteil aus (knapp 40 % aller Beschäftigten). Gegenüber der Handwerkszählung 1995 hat sich diese Quote sogar noch erhöht. Ungelernte Arbeiter spielen dagegen im Vergleich eine weitaus geringere Rolle (nur 18 %). Ihre Bedeutung ist gegenüber der Handwerkszählung gesunken. Eine Ausnahme stellen die handwerklichen Großbetriebe dar, die sich primär auf weniger qualifizierte Arbeitskräfte stützen.

Der Frauenanteil im Handwerk ist mit 32,7 % erheblicher geringer als in der Gesamtwirtschaft (43,3 %). Gegenüber der Handwerkszählung 1995 ist jedoch eine leichte Zunahme festzustellen. Im Handwerk steigt der Frauenanteil mit der Betriebsgröße; in der Gesamtwirtschaft ist dies nicht so.

Nicht-standardisierte Arbeitsverhältnisse gewinnen immer mehr an Bedeutung. Diese lassen sich danach unterscheiden, ob hinsichtlich des Beschäftigungsumfangs (Teilzeitbeschäftigung), der Sozialversicherungspflicht oder der Beschäftigungsdauer (befristete Arbeitsverträge) Abweichungen vom normalen Arbeitsverhältnis bestehen. Im Handwerk kommen nicht-standardisierte Arbeitsverhältnisse weniger häufig vor als in der Gesamtwirtschaft. In diesem Wirtschaftsbereich sind nur knapp 25 % der Beschäftigten in solchen Arbeitsverhältnissen tätig. Dagegen beträgt diese Quote in der Gesamtwirtschaft 28,5 %. Dies liegt vor allem daran, dass Teilzeitstellen und befristete Arbeitsverhältnisse im Handwerk weniger verbreitet sind. Dafür weisen Mini- und Midi-Jobs insgesamt eine größere Bedeutung auf. Würde man die handwerklichen Großbetriebe mit mehr als 100 Beschäftigten nicht berücksichtigen, wäre der Unterschied zwischen Handwerk und Gesamtwirtschaft noch größer.

Zu den Personengruppen, die keinen klassischen Arbeitsvertrag mit dem Betrieb eingehen, gehören Aushilfen, Praktikanten, freie Mitarbeiter und Leiharbeitskräfte. Von diesen beschäftigen Handwerksbetriebe am ehesten Aushilfen oder Praktikanten (15 % aller Betriebe), am seltensten freie Mitarbeiter (nur 1,3 % aller Betriebe). Die Bedeutung dieser Personengruppen ist im Handwerk jedoch geringer als in der Gesamtwirtschaft. Anders sieht es mit den Leiharbeitskräften aus, die im Handwerk von 4,5 % der Betriebe, in der Gesamtwirtschaft jedoch lediglich von 3,3 % beschäftigt werden.

Wenn diese eingesetzt werden, handelt es sich im Handwerk primär um Facharbeiter (zu 70 %), deren Beschäftigungsdauer in drei Viertel der Fälle weniger als sechs Wochen beträgt. In der Gesamtwirtschaft kommen dagegen häufiger un- und angelernte Arbeiter zum Einsatz, wobei deren Einsatzdauer länger ist. Ingesamt ist der Leiharbeiteranteil an allen Beschäftigten mit 0,7 % (das gilt sowohl für das Handwerk als auch für die Gesamtwirtschaft) sehr gering.

Personalabgänge haben im Handwerk häufig andere Gründe als in der Gesamtwirtschaft. Während im Handwerk die Kündigung seitens des Betriebes (40,8 % aller Abgänge) gegenüber einer Arbeitnehmerkündigung (30,7 %) überwiegt, werden in der Gesamtwirtschaft fast genauso häufig Kündigungen durch den Betrieb wie durch den Arbeitnehmer ausgesprochen. Gesamtwirtschaftlich hat auch das Auslaufen eines befristeten Arbeitsvertrages erhebliche Bedeutung. Personalabgänge infolge des Eintretens in den Ruhestand sind im Handwerk wegen der jüngeren Belegschaft weniger häufig. Wenn dies dennoch der Fall ist, wird die Rente eher durch ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Betrieb als durch Erreichen der regulären Altersgrenze angetreten.

Der Anteil der Betriebe, in denen im Jahr 2002 Überstunden geleistet wurde, ist im Handwerk geringer als in der Gesamtwirtschaft (39,6 % zu 43,6 %), wobei dieser Anteil mit steigender Betriebsgröße wächst. Im Handwerk erfolgt die Vergütung der Überstunden zu 60 % über Freizeitausgleich. Die Auszahlung und eine unentgeltliche Leistung von Überstunden spielen demgegenüber eine geringere Rolle. Wenn jedoch Überstunden ausbezahlt werden, betrifft dies einen relativ großen Teil der Belegschaft.

Im Jahr 2002 haben 9 % aller Handwerksbetriebe öffentliche Zuschüsse zu Lohn- und Gehaltskosten erhalten. Der Teil der Beschäftigten, der davon profitiert, ist im Handwerk geringer als in der Gesamtwirtschaft. Dieses dürfte im Wesentlichen damit zusammenhängen, dass einige dieser Zuschussmöglichkeiten nur für öffentlich-rechtliche Träger konzipiert worden sind. Von den einzelnen Förderinstrumenten hat der Eingliederungszuschuss sowohl für das Handwerk als auch für die Gesamtwirtschaft die größte Bedeutung. Ein gewisser Teil der Betriebe erhält auch Mittel zur Unterstützung der betrieblichen Ausbildung und aus dem Jugendsofortprogramm.

Aus der Studie geht auch hervor, dass innerhalb des Handwerks zwischen den einzelnen Größenklassen erhebliche Abweichungen zu beobachten sind, die weit über normale Unterschiede zwischen kleinen und großen Betrieben hinausgehen. Insbesondere die Resultate der handwerklichen Großbetriebe weichen in einigen Fällen sehr stark von dem Rest der Betriebe ab.

Die Großbetriebe des Handwerks mit mehr als 100 Beschäftigten bieten häufig wenig qualifizierte Arbeitsplätze an, die meist auf Teilzeitbasis, insbesondere von Frauen besetzt werden, und bei denen die Fluktuation relativ hoch ist. Zu beachten ist, dass diese Gruppe mit 0,3 % nur einen äußerst kleinen Teil der Handwerksbetriebe umfasst. Immerhin sind jedoch hier fast 10 % aller im Handwerk tätigen Personen beschäftigt und 10 % des gesamten Handwerksumsatzes wird von diesen handwerklichen Großbetrieben erwirtschaftet. Die Betriebe kommen relativ häufig aus dem Dienstleistungsgewerbe. Zu vermuten ist, dass es sich in vielen Fällen um Gebäudereiniger handelt. Abgesehen von dieser Gruppe wird das Handwerk insgesamt jedoch überwiegend von Betrieben geprägt, die zu 80 % weniger als 10 Beschäftigte aufweisen.

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