Die Bedeutung von Ausländern im Handwerk

Müller, K. (2004). Die Bedeutung von Ausländern im Handwerk. Göttinger Handwerkswirtschaftliche Studien (Band 71). Duderstadt.

Ausländische Mitbürger haben heutzutage einen beträchtlichen Anteil am gesellschaftlichen Leben und der wirtschaftlichen Aktivität in der Bundesrepublik Deutschland. Viele Tätigkeiten würden nicht mehr wahrgenommen werden können, wenn ausländische Arbeitskräfte nicht zur Verfügung stünden. Die Integration hier lebender Ausländer in die Wirtschaft und Gesellschaft unseres Landes ist ein anerkanntes und zwingendes Ziel, zu dem auch das deutsche Handwerk mit seinen knapp 850.000 Betrieben beitragen kann. Dieser Wirtschaftsbereich verdient insofern bei dieser Integrationsaufgabe eine besondere Beachtung, als kleine und mittlere Betriebe mit personalisierten Strukturen gegenüber der Anonymität und stark arbeitsteiligen Wirtschaftsweise von Großunternehmen prinzipiell als geeigneter erscheinen.

Das Ziel der vorliegenden Arbeit lag darin, die Bedeutung von Ausländern für das deutsche Handwerk aufzuzeigen. Für die einzelnen hierfür verwendeten Indikatoren, wie Betriebe, Beschäftigte oder Auszubildende, war dies unterschiedlich gut möglich. Während für einige Indikatoren, wie z.B. die Zahl der ausländischen Auszubildenden im Handwerk oder der öffentlich geförderten Existenzgründer aus dem Ausland, genaue Zahlen zur Verfügung standen, konnte für andere Indikatoren, wie bspw. die Zahl der Meisterprüflinge oder der Existenzgründer im Handwerk, nur eine sehr vage Größenordnung ermittelt werden.

In der Tafel sind die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass einige Anteile wahrscheinlich deshalb relativ gering ausfallen, weil die eingebürgerten Ausländer nicht mit erfasst werden konnten. Dies dürfte insbesondere auf den Anteil der Auszubildenden und der Existenzgründer bzw. Betriebsinhaber zutreffen.

Aus den Ergebnissen wird deutlich, dass das Handwerk bei den Auszubildenden und bei den Beschäftigten einen wichtigen Beitrag bei der Integration der ausländischen Mitbürger leistet. In diesen Bereichen sind jeweils mehr Personen prozentual gesehen im Handwerk tätig als in der Gesamtwirtschaft. Die Handwerksunternehmer haben auch mit diesen Beschäftigten weitgehend gute Erfahrungen gemacht insbesondere was Tugenden, wie bspw. der Umgang mit Kollegen, Zuverlässigkeit, Fleiß, Arbeitstempo sowie Arbeitsqualität, angeht. Teilweise wurden die ausländischen Mitarbeiter sogar besser beurteilt als ihre deutschen Kollegen. Dies gilt allerdings nicht unbedingt für die Sprachkenntnisse und das fachliche Wissen. In diesen Bereichen sind zusätzliche Weiterbildungsangebote notwendig.

Wenn es allerdings um den weiteren beruflichen Aufstieg geht, wird die Bedeutung der Ausländer für das Handwerk geringer. Die Meister- und Selbstständigenquote fällt nicht nur gegenüber der Beschäftigtenquote, sondern auch gegenüber der entsprechenden Quote in der Gesamtwirtschaft ab. Hierfür trägt sicher bei, dass die Meisterprüfung anscheinend bei ausländischen Jugendlichen nur einen relativ geringen Stellenwert besitzt. Wenn sich Ausländer im Handwerk selbstständig machen, dann primär im handwerksähnlichen Gewerbe oder mit relativ kleinen Gründungsvorhaben und ohne öffentliche Förderung. Wird eine Förderung in Anspruch genommen, dann meist nur bei denjenigen Darlehensprogrammen (DtA-Startgeld, DtA-Mikro-Darlehen), die speziell für kleine Gründungsvorhaben konzipiert worden sind. Positiv zu vermerken ist jedoch, dass der Anteil der selbstständigen Ausländer in den letzten Jahren merklich gestiegen ist.

Zukünftig dürften die Ausländer für das Handwerk eine noch größere Bedeutung bekommen. Dies betrifft sowohl die Angebots- als auch die Nachfrageseite. Auf der Angebotsseite wird sich infolge des demographischen Wandels die Zahl der gut ausgebildeten Arbeitskräfte erheblich reduzieren. Um dieses Manko zu beseitigen, bedarf es dringend einer noch besseren Integration der ausländischen Mitbürger. In diesem Zusammenhang sind insbesondere bessere Informationen über das deutsche Ausbildungssystem notwendig. Dabei sollte versucht werden, den Stellenwert der Meisterprüfung besser zu vermitteln.

Aber auch auf der Nachfrageseite ist der ausländischen Bevölkerung eine größere Beachtung zu schenken, denn bislang dürfte die Nachfrage nach Handwerksleistungen aus diesem Personenkreis relativ gering sein. Infolge der zunehmenden Integration und dem damit oftmals verbundenen sozialen Aufstieg könnte sich dies ändern. Die Handwerksunternehmen müssen aber auch selbst Anstrengungen unternehmen, damit die Personen ausländischer Herkunft als Nachfragefaktor an Bedeutung gewinnen. Hier ist die Beschäftigung ausländischer Mitarbeiter von Vorteil, denn diese können die speziellen Präferenzen und Bedürfnisse ihrer Landsleute sicher am besten einschätzen.

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