Innovationen im Handwerk

Lahner, J. & Müller, K. (2004). Innovationen im Handwerk. Göttinger Handwerkswirtschaftliche Arbeitshefte (Heft 54). Göttingen.

Innovationen gelten oft als eine Domäne von größeren Unternehmen. Daher wird die Innovationstätigkeit von Handwerksunternehmen systematisch unterschätzt. Denn auch in diesem Wirtschaftsbereich finden mannigfaltige Innovationsprozesse statt. Die hieraus resultierenden Neuerungen sind zwar häufig weit weniger spektakulär als revolutionäre Innovationen ingenieurtechnischer Art. Dennoch sind gerade Weiterentwicklungen und Anpassungen von Innovationen anderer Herkunft, das Aufspüren neuer Nischen und anwendergerechter Lösungen im kleinen Maßstab hoch kreative und unverzichtbare Beiträge zum technischen Wandel. Die vorliegende Untersuchung hat deshalb zum Ziel, die wichtige Rolle des Handwerks im gesamtwirtschaftlichen Innovationsprozess darzulegen und näher zu analysieren.

Die Grundlage bildet eine empirische Auswertung des Innovationsförderprogramms des niedersächsischen Wirtschaftsministeriums. Dabei stehen programmbedingt technische Innovationen des Handwerks im Vordergrund.

Die Untersuchung brachte folgende wesentliche Ergebnisse:

  • Das Innovationsgeschehen im Handwerk wird von Investitionsgüter- und Zulieferhandwerkern, vor allem von Feinwerkmechanikern, Elektrotechnikern und Metallbauern, dominiert. Die innovativen Betriebe sind zwar im Durchschnitt größer als die Gesamtheit aller Handwerksunternehmen; zugleich hat jedoch über die Hälfte der innovativen Unternehmen weniger als 20 Beschäftigte. Die wichtigste Kundengruppe bilden eindeutig gewerbliche Abnehmer. Innovative Betriebe weisen einen weit größeren Absatzradius als der Handwerksdurchschnitt auf. Viele Unternehmen sind international tätig.
  • Bei innovativen Handwerksunternehmen dominiert die Rechtsform einer GmbH. Neben Haftungsgesichtspunkten dürften Gründe hierfür auch in Betriebsgrößen- und Branchenaspekten liegen.
  • Technisch innovative Handwerksbetriebe werden zu einem großen Teil von (Fach-)Hochschulabsolventen geleitet und weisen insgesamt einen hohen Beschäftigungsanteil von Ingenieuren auf. Die akademische Ausbildung des Inhabers bzw. Projektleiters befördert die Bereitschaft und den Zugang zu kooperativen Arrangements mit Hochschulen.
  • Die Stärke technischer Innovatoren im Handwerk liegt vor allem in der besonderen technischen Problemlösungskompetenz. Daneben sind Kundennähe und Flexibilität hervorzuheben. Dagegen sind besondere (Innovations-)Management- oder Marketingkompetenzen die Ausnahme. Schwächen gibt es zudem bei der Vermarktung.
  • Technische Innovatoren des Handwerks verlassen sich bei der Entwicklung und Umsetzung von Neuerungen vornehmlich auf die interne Innovationskompetenz. Zwar interagieren die Betriebe während des Innovationsprozesses in vielfältiger und zum Teil intensiver Weise mit verschiedensten Netzwerkpartnern, allerdings oft nur punktuell und nicht innerhalb umfassender horizontaler Kooperationen.
  • Die Innovationsprojekte dienen inhaltlich in der Regel dem Ausbau und der Weiterentwicklung von Kernkompetenzen. Sehr bedeutend ist frei zugängliches externes Wissen (Kunden, Lieferanten, Messen, Fachliteratur, Internet etc.). Nicht frei zugänglichen externen Know-how kommt eher eine ergänzende und unterstützende Rolle zu. Kooperationen i.S. einer auf gemeinsame Ziele ausgerichteten Zusammenarbeit gleichgeordneter Unternehmen beschränken sich vielfach auf klar definierte Phasen des Innovationsprozesses (z.B. Erarbeitung technisch-wissenschaftlicher Grundlagen, Erprobung, Vermarktung).
  • Probleme und Risiken der finanziell geförderten Innovationsprojekte liegen neben den technischen Herausforderungen in der Unsicherheit im Hinblick auf die rechtzeitige Marktreife und mögliche Vertriebsschwierigkeiten. Zudem stellt häufig die Bindung personeller Ressourcen durch das Innovationsprojekt eine erhebliche innerbetriebliche Herausforderung dar.
  • Im Zuge der Innovationsprojekte kommt es bei einer Vielzahl der Betriebe zu einer quantitativen Aufstockung des Personals. Oft handelt es sich dabei um die Rekrutierung hoch qualifizierter Fachkräfte, die zugleich eine effiziente Quelle des Know-how-Transfers darstellen und so die eigene Wissensbasis stärken.
  • Bei fast der Hälfte der technischen Innovatoren des Handwerks ist mit der Innovation das Ziel einer (weiteren) Ausdehnung des Absatzgebietes verbunden. Für regional tätige Betriebe eröffnet die Innovation sogar für mehr als drei Viertel der Unternehmen geografisch neue Märkte. Innovationen sind häufig der Schlüssel zum internationalen Engagement. Für die dauerhafte Wettbewerbsfähigkeit ist dann eine permanente Innovationsfähigkeit unverzichtbar. Technische Innovationen werden nicht primär initiiert, um neue Kundensegmente zu erreichen, sondern um bekannte besser und zielgenauer auszuschöpfen.

Ingesamt lassen sich folgende wesentliche Erfolgsfaktoren einer handwerklichen Innovationstätigkeit ableiten:

  • Unternehmensspezifisches Wissen und Wettbewerbsfähigkeit,
  • Innovationen als Ergebnis von besonderen Fähigkeiten,
  • Innerbetriebliche Offenheit und kooperativer Führungsstil,
  • Offenheit nach außen.

Abschließend werden wichtige Ansätze für eine Förderung von Innovationen im Handwerk diskutiert. Diese lassen sich in drei Blöcke einteilen:

A) Ausgestaltung direkter Innovationsförderprogramme
B) Förderung des Wissenstransfers
C) Erhöhung der Innovationskompetenz

Das vorliegende Arbeitsheft stellt eine Kurzfassung einer umfangreichen Dissertation über Innovationsprozesse im Handwerk dar, die als "Göttinger Handwerkswirtschaftliche Studie" veröffentlicht ist.

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