Energieeinsparpotenziale im Handwerk durch rationelle Energienutzung

Kornhardt, U. (2009). Energieeinsparpotenziale im Handwerk durch rationelle Energienutzung. Göttinger Handwerkswirtschaftliche Arbeitshefte (Heft 63). Göttingen.

Neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien und der Effizienzsteigerung bei der Energiebereitstellung stellt die Energieeffizienz beim Endverbrauch ein Schlüsselelement für die Erfüllung der deutschen Klimaschutzziele dar. Wie groß das Energieeinsparpotenzial durch eine Steigerung der Energieeffizienz ist, macht die Tatsache deutlich, dass lediglich rund ein Drittel der eingesetzten Primärenergie der eigentlichen Energiedienstleistung (wie z.B. Antriebsenergie, Beleuchtung, Wärme etc.) zugute kommt. Rund zwei Drittel gehen durch Umwandlungs-, Speicher- und Leitungsverluste verloren. Diese Verluste lassen sich durch Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz sowohl auf der Energieangebotsseite als auch auf der Energieverbraucherseite reduzieren.

Die Energieeffizienz beim Endverbrauch wird oft als die "vernachlässigte" Säule der Klimaschutzpolitik bezeichnet. Der Grund dafür, dass die Steigerung der Energieeffizienz bislang nicht mit dem selben Nachdruck betrieben wurde und wird wie etwa die Förderung regenerativer Energien liegt maßgeblich darin, dass eine rationelle Energieanwendung mit den damit verbundenen Energieeinsparungen bei den jeweiligen Entscheidern nur sehr schwer zu realisieren ist. Denn rationelle Energieanwendung ist extrem vielfältig und komplex. Es handelt sich um eine Vielzahl von Techniken und Millionen von Entscheidern in Haushalten, Unternehmen, Büros und Dienststellen bei Investitionsentscheidungen.

Zahlreiche Untersuchungen und Praxisbeispiele zeigen, dass noch erhebliches Potenzial zur Senkung des Energieverbrauchs im Unternehmenssektor vorhanden ist. Potenzial, das bislang unzureichend aktiviert und erschlossen wird, obwohl gerade hier besonders kostengünstige Ansätze zum Klimaschutz liegen. Vielfach rentieren sich Energieeffizienzmaßnahmen für den Investor durch die Verringerung des Energieverbrauchs schon nach kurzer Zeit. "Ich kenne keine Branche, in welcher nicht eine Vervierfachung der Energieproduktivität erreichbar wäre", so die Einschätzung von Prof. Ernst Ullrich von Weizsäcker, Vorsitzender des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit des Deutschen Bundestages.

Im vorliegenden Arbeitsheft wird aufgezeigt, welche Energieeinsparpotenziale im Sektor Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD) bestehen, und Einsparpotenziale in ausgewählten Handwerksbranchen als Teil dieses Sektors identifiziert. Ferner wird der Frage nachgegangen, welche Umsetzungshemmnisse für Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz typischerweise im kleinbetrieblich strukturierten Handwerkssektor bestehen. Schließlich werden Maßnahmeempfehlungen zur Steigerung der Energieeffizienz im Handwerk gegeben.

Im Einzelnen lassen sich folgende zentrale Untersuchungsergebnisse festhalten:

  1. Etwa 17% des Gesamtenergieverbrauchs in Deutschland entfällt auf den GHD-Sektor. Innerhalb dieses Sektors nimmt das Handwerk etwa ein Fünftel der dort verbrauchten Energie in Anspruch. Damit entfallen lediglich rund 5% des Endenergieverbrauchs in Deutschland auf den Wirtschaftsbereich Handwerk.
  2. Beim Einsatz von Brennstoffen entfallen rund 86 % des Gesamtverbrauchs im GHD-Sektor auf die Raumheizung und rund 13 % auf die Prozesswärme. Bei Strom dominiert mit 36 % die Beleuchtung; 29 % des Strombedarfs wird für mechanische Energie und jeweils rund 11 % für Prozesswärme, Prozesskälte sowie Kommunikation benötigt.
  3. Die größten Energieeinsparpotenziale im Handwerk liegen in den Bereichen Wärmedämmung des Betriebsgebäudes, Verbesserung des Wirkungsgrades der Heizungsanlage sowie effizientes Energiemanagement im Betrieb.
  4. Einer der maßgeblichen Gründe für die erheblichen Defizite im Bereich der rationellen Energieanwendung im Handwerk liegt darin, dass die Energiekosten in der Regel nur einen relativ geringen Teil an den Gesamtkosten im Betrieb ausmachen und deshalb den Entscheidungsträgern Energieeffizienz als nicht so besonders wichtig erscheint, jedenfalls nicht als vordringliche Aufgabe angesehen wird. Daneben bestehen häufig auch erhebliche Informationsdefizite in Energiefragen sowie fehlende Kenntnisse über die Wirtschaftlichkeit von Investitionen zur Energieeinsparung.
  5. Im Handwerk wirken zumeist mehrere Hemmnisse gleichzeitig, wenn es um Investitionsentscheidungen zu Gunsten von Energieeffizienzmaßnahmen geht. Deshalb reichen einzelne Instrumente in der Regel nicht aus. Vielmehr ist ein Maßnahmenbündel erforderlich, um die an verschiedenen Stellen der Entscheidungs- und Innovationskette bestehenden Hemmnisse simultan zu überwinden: Bei Herstellern, Weiterverarbeitern, bei Planern und Architekten, im Installationsgewerbe und bei den Energieanwendern.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass nach Schätzung von Experten gerade bei kleinen und mittleren Betrieben bzw. im Handwerk durch eine rationelle Energienutzung noch erhebliche Einsparpotenziale vorhanden sind, die sich wirtschaftlich erschließen lassen. Diese betragen nach Berechnungen des Wuppertal Instituts bis zum Jahr 2020 im Strombereich 30 % und im Wärmebereich 21 %. Eine konsequente Ausschöpfung bestehender rentabler Energieeinsparpotenziale käme dabei nicht nur dem Klimaschutz zugute, sondern würde auch maßgeblich dazu beitragen, die Energiekosten in der Produktion zu senken und damit die Wettbewerbsfähigkeit der Handwerksbetriebe zu stärken – eine Aspekt, der vor dem Hintergrund steigender Energiepreise künftig an Bedeutung gewinnen dürfte.

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