Nachfragepotenziale und Absatzchancen des Handwerks im demografischen Wandel

Haverkamp, K. (2011). Nachfragepotenziale und Absatzchancen des Handwerks im demografischen Wandel. Göttinger Handwerkswirtschaftliche Arbeitshefte (Heft 69). Duderstadt: Mecke.

Der demografische Wandel wird Strukturveränderungen der privaten Nachfrage auslösen, die sich auch auf das Handwerk spürbar auswirken. Eine Reihe von Branchen wird mit Nachfrage­zuwächsen rechnen können, anderen wird die Entwicklung jedoch auch Einbußen bescheren. Das ist das Fazit einer aktuellen Untersuchung des Volkswirtschaftlichen Instituts für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen (ifh). Die Wissenschaftler bewerteten dafür die Er­gebnisse zahlreicher Einzelstudien und -statistiken zur demografischen Entwicklung auf ihre Auswirkung für das Handwerk. Die wirtschaftlichen Folgen des demografischen Wandels werden demnach das Handwerk nicht bundesweit einheitlich treffen, sondern wegen des in Ost- und Westdeutschland sehr unterschiedlich ausgeprägten Bevölkerungsrückgangs auch regional ver­schieden stark spürbar sein.

Der ifh-Studie zufolge werden sich die demografischen Veränderungen auf drei Handwerksgrup­pen wirtschaftlich positiv auswirken: das Bauhauptgewerbe, die Ausbau- und die Gesundheits­handwerke. Im Wohnungsmarkt gebe es in den nächsten zehn Jahren ein jährliches Nachfrage­potenzial von bis zu 210.000 Wohnungen, 50 % mehr als das jetzige Bauvolumen. Die Aus­baugewerke würden besonders vom Sanierungsmarkt und dem altersgerechten Umbau be­stehender Immobilien profitieren. Die Gesundheitshandwerke werden zu den Gewinnern der de­mografischen Umwälzungen gehören, weil sich ihre wichtigste Kundenzielgruppe, die "Genera­tion 60+", von jetzt rund 25 % voraussichtlich bis 2030 auf mehr als 36, bis 2050 sogar auf 40 % der Gesamtbevölkerung vergrößern wird.

Das Kfz-Handwerk wird mittelfristig von gravierenden demografischen Effekten unbeeinflusst bleiben. Weil immer mehr ältere Menschen vitaler und mobiler sind, werde die Gesamtfahrleis­tung – nach leichter Zunahme bis 2020 – schließlich 2030 wieder ungefähr das jetzige Niveau er­reichen. Einen dämpfenden Effekt übe allerdings die sinkende Wartungsintensität der Fahrzeuge aus. Uneinheitlich werde sich der demografische Wandel auf die Gruppe der „Handwerke für den privaten Bedarf“ auswirken. Soweit ihre Produkte und Dienstleistungen als haushaltsnahe Dienstleistungen gelten, wird ihnen eine aus demografischer Sicht positive Prognose gestellt. Eindeutig negativ treffe es die Handwerke der Kategorie „Bekleidung und Schuhe“: Für sie wer­den deutliche Anteilsverluste prognostiziert.

Die Lebensmittelhandwerke werden von der demografischen Entwicklung kaum profitieren kön­nen. Der seit Jahren bestehende Trend zu sinkenden Ausgabenanteilen für Lebensmittel werde sich weiter fortsetzen. Auffällig sei zudem, dass als Auswirkung eines zunehmenden Interesses an einem ausgeglichenen, gesunden Leben zwar die Ausgaben für Unterhaltung und Wellness ansteigen würden, nicht jedoch die Aufwendungen für Lebensmittel.

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