Energy efficiency of residential buildings in the European Union – An exploratory analysis of cross-country consumption patterns

Thonipara, A., Runst, P., Ochsner, C. & Bizer, K. (2019). Energy efficiency of residential buildings in the European Union – An exploratory analysis of cross-country consumption patterns. Energy policy, 129 (6), 1156-1167.

Energieeffizienz im Wohngebäudesektor der Europäischen Union – eine explorative Analyse von länderspezifischen Konsummustern

Um sich dieser Frage anzunähern, wird zunächst eine explorative Analyse der Energieeffizienzniveaus und der Wirksamkeit energiepolitischer Instrumente im Europäischen Wohngebäudesektor durchgeführt. Trotz gemeinsamer EU-Richtlinien zur Energieeffizienz im Wohngebäudesektor unterscheiden sich die Energieeffizienzniveaus unter den Staaten der Europäischen Union. Um die Wirksamkeit unterschiedlicher Politikinstrumente zwischen den Staaten der EU zu evaluieren, haben bisherige Studien eine Quantifizierung der Politikinstrumente vorgenommen und diese in quantifizierter Form in quantitativen Analysen inkludiert. Dies hat jedoch eine Homogenisierung der heterogenen Politikinstrumente zur Folge, weshalb wir einen explorativen Ansatz aus einer quantitativen und einer qualitativen Analyse anwenden. Die quantitative Analyse dient dem Ziel, besonders energieeffiziente Länder zu identifizieren, deren energieökonomische Politikinstrumente anschließend qualitativ und deskriptiv statistisch analysiert werden.

Methode (Quantitative Analyse)

Wir nutzen Paneldatenanalysemethoden, um den Pro-Kopf-Energiekonsum pro Jahr 〖Energy〗_it so genau wie möglich durch verschiedene Variablen zu erklären. 〖Energy〗_it ist die abhängige Variable, welche durch Vektor X ̅_it, bestehend aus verschiedenen Variablen, erklärt wird. Hierbei kontrollieren wir für Energiepreise (gewichtet nach dem länderspezifischen Energiemix), Pro-Kopf Einkommen, den Anteil von Eigentumshäusern (Mieter- / Vermieter-Dilemma), den Anteil der Mehrfamilienhäuser (im Vergleich zu freistehenden Häusern), klimatische Bedingungen sowie jahresspezifische Wetterbedingungen (Heiztage), den Anteil der Neubauten am gesamten Wohngebäudebestand, das durchschnittliche Alter der Bevölkerung und die durchschnittliche Wohnfläche. Länder-Dummy Variablen werden des Weiteren genutzt, um länderspezifische Effekte zu erfassen. Darüber hinaus spezifizieren wir heteroskedastizitäts- und autokorrelationsrobuste Fehlerterme.

〖Energy〗_it=β_0+ 〖β_1 X ̅〗_it+β_2 (log(WAPI)) ̂_it+β_3 〖longitude〗_i+β_4 〖latitude〗_i+〖β_5 country〗_i+〖β_6 year〗_t+ε_it

Obwohl ein robustifizierter Durbin-Wu-Hausman Test keine Endogenität zwischen Energiepreisen und Energienachfrage aufzeigt, wird neben einem Least Square Dummy Variable Model (LSDV) auch ein Two-Stage Least Squares Model (2SLS) angewendet, wobei wir hier die Vorjahrespreise als Instrument für die Energiepreise heranziehen.

Ergebnisse (Quantitative Analyse)

Die quantitative Analyse zeigt, dass Schweden besonders auffallend negative länderspezifische Effekte aufweist. Eine schwedenspezifische Politikmaßnahme muss hier also einen starken negativen Effekt auf den individuellen Energiekonsum gehabt haben. Neben Schweden weisen auch Finnland, Bulgarien und Malta starke negative länderspezifische Effekte auf, verglichen mit Schweden jedoch deutlich geringere. Lettland und Ungarn liegen zwar im Mittelfeld, weisen jedoch abnehmende Fehlerterme über die Zeit hinweg auf, welche für eine deutliche Verbesserung der Energieeffizienz über die Jahre hinweg sprechen. Die Ergebnisse sind robust, wie mehrere Robustheitstests beweisen.

Explorative Policy-Analyse

Auf Grundlage der Ergebnisse der quantitativen Analyse wird die Energiepolitik der Länder Schweden, Finnland, Lettland, Ungarn und Irland genauer untersucht. Hierzu werden Experteninterviews mit Vertretern aus Energieministerien- oder agenturen geführt und Statistiken sowie Gesetzestexte ausgewertet. Hierbei wird umfassend auf unterschiedliche Faktoren wie die Gebäudedämmungsrichtlinien, den Ausbau des Fernwärmenetzes, länderspezifische Steuerpolitik sowie Investitionen in effizientere Technologien und Bautätigkeiten eingegangen. Schlussfolgerung Die Ergebnisse zeigen, dass strenge regulatorische Standards den Energiekonsum wirksam senken können, aber nur auf lange Sicht effektiv sind. Hinzu kommt, dass strenge regulatorische Standards besonders effektiv sind, wenn sie mit hoher Bauaktivität einhergehen. Darüber hinaus haben effiziente Fernwärmenetze den Energiekonsum effektiv gesenkt. Im Gegensatz zu anderen Ländervergleichsstudien finden wir darüber hinaus Evidenz für die Wirksamkeit der CO₂-Steuer, welche die großen Unterschiede in den Energieeffizienzniveaus der verschiedenen Länder als einziges Instrument plausibel erklären kann. Dabei ist die Wirksamkeit der CO₂-Steuer stark von ihrer Höhe abhängig. Eine Steuer von 120 Euro erzielt im Gegensatz zu einer Steuer von 30 Euro deutlich höhere Reduktionen im Energiekonsum.

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Als inhaltliche Ansprechpartnerin zu den Ergebnissen dieser Studie steht
Frau Anita Thonipara zur Verfügung.



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