Soloselbstständigkeit im Handwerk: Ergebnisse des Mikrozensus 2014

Haverkamp, K. (2019). Soloselbstständigkeit im Handwerk: Ergebnisse des Mikrozensus 2014. Göttinger Beiträge zur Handwerksforschung (Heft 29). Göttingen.

Die Soloselbstständigkeit wird häufig mit einer prekären Wirtschaftsweise der „marginalen“ Alleinunternehmer assoziiert. Eine Auswertung der Daten der Mikrozensusbefragung 2014 durch das ifh Göttingen zeichnet jedoch ein recht ausdifferenziertes Bild der Soloselbstständigkeit im Handwerk. Erwartungsgemäß befinden sich zwar unter den soloselbstständigen Unternehmern viele auffällige Subpopulationen: EU-Ausländer, Frauen, Erwerbstätige im Rentenbezugsalter und Teilzeittätige. Die Nettoeinkommen der Soloselbstständigen liegen dabei im Mittel deutlich unterhalb der entsprechenden Werte für Selbstständige mit Beschäftigten und sogar unterhalb der Werte für abhängig Beschäftigte. Ferner sind Soloselbstständige häufiger nicht rentenversichert und verfügen seltener über Wohneigentum als Selbstständige mit Beschäftigten.

Allerdings zeichnet sich zugleich ab, dass die überwiegende Mehrheit der Soloselbstständigen in Handwerksberufen derzeit Einkommen erreicht, die oberhalb der Armutsgefährdungsschwelle für einen Ein-Personen-Haushalt liegen. Die Gleichstellung der Soloselbstständigkeit mit einer prekären Lebensweise ist damit nicht zulässig: Die Soloselbstständigkeit birgt zwar gegenüber anderen Erwerbsformen zweifelsohne erhöhte Risiken für niedrige persönliche Einkommen. Dennoch lässt sich beobachten, dass die Mehrheit der Soloselbstständigen im mittleren Einkommensbereich verortet werden kann. Als problematisch kann demzufolge weniger die aktuelle Einkommenslage der Soloselbstständigen eingeschätzt werden, vielmehr die Ungleichstellung unterschiedlicher Erwerbsformen im Hinblick auf die Pflichten zur sozialen Absicherung.

„Im Hinblick auf ihre Einkommen und Eigentumsverhältnisse ähneln die Soloselbstständigen mehr den abhängig Beschäftigten als den etablierten Unternehmern. Anders verhält es sich bei Fragen der Altersvorsorge."

  • Die meisten Soloselbstständigen (72 %) sind im Handwerk in den Berufen der Anlage A tätig. Allerdings ist das zulassungsfreie Handwerk deutlich stärker von der soloselbstständigen Wirtschaftsweise geprägt.
  • Bei den Soloselbstständigen handelt es sich um eine recht heterogene Gruppe, in der Frauen, EU-Ausländer, Personen im Rentenbezugsalter, Teilzeittätige, Alleinstehende und Personen mit einem akademischen Abschluss überrepräsentiert sind.
  • Soloselbstständige verzeichnen im Durchschnitt geringere monatliche Nettoeinkommen (1.681 €) als abhängig Beschäftigte (1.728 €) und als Selbstständige mit Beschäftigten (2.678 €).
  • 20 % der Soloselbständigen erreichen persönliche Nettoeinkommen unterhalb der Armutsgefährdungsschwellen für einen Ein-Personen-Haushalt (917 €).
  • Eine wichtige Ursache für die Einkommensunterschiede ist die hohe Teilzeitquote der Soloselbstständigen (19 %).
  • Soloselbstständige sind im sozialen Kontext nicht besser abgesichert als abhängig Beschäftigte. Soloselbstständige sind seltener rentenversichert als Selbstständige mit Beschäftigten und verfügen seltener über Wohneigentum.

Der vorliegende Beitrag untersucht auf Basis der Daten des Mikrozensus 2014 die zentralen Strukturmerkmale der Soloselbstständigkeit im Handwerk. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der Beschreibung der sozialen Lage der Soloselbstständigen in Handwerksberufen, welche in erster Linie durch die Statistiken zu persönlichen Nettoeinkommen und Haushaltseinkommen sowie ihre Verteilung erfasst wird.

Die Ergebnisse der Analyse zeigen: Bei den Soloselbstständigen in Handwerksberufen handelt es sich insgesamt um eine sehr heterogene Gruppe, bei der bestimmte Bevölkerungsgruppen, gemessen an ihrem Anteil im Gesamthandwerk, deutlich überrepräsentiert sind. So befinden sich unter den Soloselbstständigen signifikant mehr Frauen, EU-Ausländer, Personen im Rentenbezugsalter, alleinlebende Personen und Teilzeittätige. Gleichzeitig lässt sich beobachten, dass die Soloselbstständigen im Durchschnitt über höhere Bildungsabschlüsse verfügen als abhängig Beschäftigte. Insbesondere der Anteil der Abiturienten und der Hochschulabsolventen ist deutlich erhöht.

Die Statistiken zu den persönlichen Nettoeinkommen nach Erwerbsform zeigen insgesamt, dass die Soloselbstständigen hinsichtlich ihrer Einkommenssituation eher den abhängig Beschäftigten als den Selbstständigen mit Beschäftigten ähneln. Die mittleren Nettoeinkommen der Soloselbstständigen (Durchschnitt: 1.681 €, Median: 1.489 €) liegen deutlich unterhalb der mittleren Einkommen der Selbstständigen mit Beschäftigten (jeweils 2.678 € und 2.255 €) und leicht unterhalb der mittleren Einkommen der abhängig Beschäftigten (1.728 € und 1.629 €). Die soziodemografischen Merkmale und die Teilzeittätigkeit erklären einen Großteil der Einkommensunterschiede zwischen den Soloselbstständigen und den abhängig Beschäftigten. Es zeigt sich hingegen nicht, dass die soloselbstständige Wirtschaftsweise primär von denjenigen Personen gewählt wird, die über eine überdurchschnittlich gute Absicherung im sozialen Kontext verfügen.

Insgesamt erzielen 20% der Soloselbstständigen im Hauptstatus persönliche Nettoeinkommen unterhalb der Armutsgefährdungsschwellen für einen Ein-Personen-Haushalt. Dies bedeutet, dass Soloselbstständigkeit aktuell nicht pauschal mit einer prekären Wirtschafts- bzw. Lebensweise in Verbindung gebracht werden kann. Zwar gelten für die Soloselbstständigen zweifelsohne deutlich erhöhte Risiken für niedrige persönliche Einkommen. Die meisten Soloselbstständigen (80%) sind jedoch nicht dem Niedrigeinkommensbereich zuzurechnen. 12% der Soloselbstständigen können sogar hohe persönliche Einkommen (im Wertebereich von über 3.057 € im Monat) verzeichnen. Als problematisch kann demzufolge weniger die aktuelle Einkommenslage der Soloselbstständigen im Handwerk eingeschätzt werden, vielmehr die Ungleichstellung unterschiedlicher Erwerbsformen in Hinblick auf die Pflichten zur sozialen Absicherung.

Download der Studie

Als inhaltliche Ansprechpartnerin zu den Ergebnissen dieser Studie steht
Dr. Katarzyna Haverkamp zur Verfügung.



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