Interactive learning — The key to innovation in non-R&D-intensive SMEs? A cluster analysis approach

Thomä, J. & Zimmermann, V. (2020). Interactive learning — The key to innovation in non-R&D-intensive SMEs? A cluster analysis approach. Journal of Small Business Management, 58 (4), 747-776.

In Kürze

Die Studie identifiziert mehrere Gruppen innovierender deutscher kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU). Diese Gruppen werden differenziert nach ihrem Einsatz von in-house Forschung und Entwicklung (F&E), ihrer Abhängigkeit von externen Wissensquellen und der Nutzung von firmeninternem, interaktivem Lernen. Unsere Ergebnisse bestätigen, dass KMU den Mangel an F&E kompensieren können, indem sie internes und externes interaktives Lernen verstärkt nutzen. Ein weiteres Ergebnis zeigt, dass jeder Lernmodus die wirtschaftliche Leistung des Betriebs positiv beeinflusst. Insgesamt ist es somit für weitere Teile der KMU ökonomisch rational, einem Lern- und Innovationsmodus ohne F&E zu folgen.

Zusammenfassung

Über die Art und Weise, wie kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ihre Innovationen hervorbringen, ist vergleichsweise wenig bekannt. Eine Untersuchung in Zusammenarbeit mit der volkswirtschaftlichen Abteilung der KfW Bankengruppe zeigt, dass sich unter den KMU hinsichtlich der Vorgehensweise beim Hervorbringen von Innovationen drei Typen von Innovatoren unterscheiden lassen.

Die erste Gruppe von mittelständischen Innovatoren nutzt für ihre Innovationstätigkeit in einem starken Maß branchenspezifisches Anwendungswissen. Eigene Forschung und Entwicklung (FuE) spielt dagegen kaum eine Rolle. Diese Unternehmen wenden vergleichsweise niedrige Anstrengungen für Innovationen auf. Dies gilt monetär – aber auch in Bezug auf die innovationsrelevanten Interaktionen im Unternehmen und zum Unternehmensumfeld. Wesentliche Innovationsimpulse stammen von Zulieferern, Messen und aus der Fachpresse.

Die zweite Gruppe an KMU-Innovatoren zeichnet sich durch hohe Innovationsanstrengungen aus, die aber nur zu einem kleinen Anteil aus FuE bestehen. Dafür nutzen diese Innovatoren vor allem den Absatzmarkt als Quelle für Innovationen. Außerdem lernen diese Unternehmen durch vielfältige innerbetriebliche Interaktionen und eine ausgeprägte Fehlerkultur im Unternehmen. Die dritte Gruppe von Innovatoren stützt ihre Innovationen wesentlich auf eigene FuE und wissenschaftliche Erkenntnisse. Hinzu kommen Informationen aus dem Unternehmensumfeld, ein intensiver innerbetrieblicher Austausch, eine ausgeprägte Fehlerkultur sowie der Einsatz von Managementpraktiken zur Stimulierung der Innovationstätigkeit. Ein zentrales Ergebnis in diesem Zusammenhang ist, dass die FuE-basierten Innovatoren tatsächlich häufiger hohe Wachstumsraten aufweisen, sie also häufiger zu den Wachstumsunternehmen zählen. Lässt man die Unternehmen mit extrem hohen Wachstumsraten jedoch außen vor, unterscheidet sich die Unternehmensperformance zwischen den drei Gruppen kaum. Dies gilt sowohl für das Umsatz- als auch für das Beschäftigtenwachstum.

Solange ein gemäßigtes Unternehmenswachstum angestrebt wird, ist es für das Wachstum somit nicht von Bedeutung, ob ein Unternehmen eigene FuE betreibt oder nicht. Für die Masse der KMU ist es somit nicht nachteilig, keine FuE zu betreiben und keine wissenschaftlichen Erkenntnisse für die eigene Innovationstätigkeit zu nutzen. Stattdessen können KMU auch ohne eigene FuE und ohne Nutzung wissenschaftlicher Erkenntnisse erfolgreiche Innovatoren sein. Dies spricht dafür, dass Unterstützungsmaßnahmen für KMU im Innovationsbereich über einen engen FuE-Fokus hinausgehen und auch die generelle Innovationsfähigkeit von Unternehmen adressieren sollten.

Link zum Artikel

Das Journal of Small Business Management (JSBM) ist eine von Experten begutachtete wissenschaftliche Fachzeitschrift, die im Auftrag des International Council for Small Business (ICSB) veröffentlicht wird.

Als inhaltlicher Ansprechpartner zu den Ergebnissen dieser Studie steht
Dr. Jörg Thomä zur Verfügung.



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