Strukturwandel im Zulieferhandwerk – Auswertung der ZDH-Sonderumfrage „Handwerkliche Zulieferer“ 2021

Runst, P. & Thomä, J. (2021). Strukturwandel im Zulieferhandwerk – Auswertung der ZDH-Sonderumfrage „Handwerkliche Zulieferer“ 2021. Göttinger Beiträge zur Handwerksforschung (Heft 60). Göttingen.

Auf Basis einer ZDH-Sonderumfrage im Sommer 2021 analysiert die vorliegende ifh-Studie den Strukturwandel im Zulieferhandwerk. Zentrale Ergebnisse sind dabei:

  • Die Eigenkapitalquote der handwerklichen Zulieferer hat sich in den letzten beiden Jahren bei fast einem Drittel der Betriebe verschlechtert, was auf ein schwieriges wirtschaftliches Umfeld und das Vorliegen von Liquiditätsengpässen schließen lässt.
  • Das Zulieferhandwerk ist aufgrund seiner engen Integration in industrielle Zuliefersysteme besonders stark von allgemeinen Strukturwandlungsprozessen betroffen, wie etwa in den Bereichen Mobilität, Energie, Umwelt oder der Digitalisierung.
  • Zwei Drittel der befragten Zulieferer bewerten die mittel- bis langfristigen Erfolgsaussichten ihres aktuellen Geschäftsmodells dennoch positiv. Nur wenige blicken pessimistisch in die Zukunft.
  • Die Anpassungsfähigkeit der handwerklichen Zulieferer im Angesicht multipler konjunktureller und struktureller Herausforderungen ist auf Basis der vorliegenden Datenlage dementsprechend positiv zu bewerten.
  • Die Digitalisierung wird von den Zulieferbetrieben als entscheidender Strukturwandlungsprozess genannt, aber kaum ein Zulieferer geht davon aus, durch die Digitalisierung in seiner Existenz gefährdet zu sein.
  • Geringer Geschäftserfolg ist naturgemäß der wichtigste Grund für eine betriebliche Neuorientierung. Allerdings ist ein intensiver digitaler Kundenkontakt über neue digitalisierte Prozesse (Plattformen, Online-Absatz etc.) aktuell ebenfalls ein häufiger Grund für die Neuausrichtung von Geschäftsmodellen im Zulieferhandwerk.
  • Größere Zulieferer sind erfolgreicher als kleinere Zulieferbetriebe. Insbesondere erfolgreiche Betriebe mit funktionierendem Geschäftsmodell werden jedoch durch die aktuellen Probleme in den Lieferketten (Materialengpässe etc.) ausgebremst.
  • Luft- & Raumfahrt ist der Zulieferbereich des Handwerks, welcher derzeit die stärkste Neuausrichtung von Geschäftsmodellen aufweist. Außerdem sehen sich die Zulieferbetriebe aus den Bereichen Automobil (28 %), Bau (25 %) und Einzelhandel (22 %) aktuell einem verstärkten Anpassungsdruck gegenüber.
  • Die Modell- und Formenbauer weisen derzeit mit Abstand die stärkste Transformation auf; zentrale Treiber sind digitalisierungsbasierte Prozessinnovationen in den Bereichen Vernetzung, Datenaustausch und programmgesteuerte Produktion.
  • Die Mehrheit aller befragten Zulieferbetriebe (50 %) wünscht sich einen besseren Zugang zu Finanzmitteln für Re- und Neuinvestitionen. Jeweils ein Drittel der Zulieferer fordern zudem Verbesserungen ihrer Standortbedingungen und bessere Unterstützungsangebote bei der Weiterbildung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
  • Ein nennenswerter Teil der Betriebe (16,3 %) wünscht sich zudem eine stärkere Unterstützung bei der Neuausrichtung ihrer Geschäftsmodelle und der erfolgreichen Umsetzung von Change-Prozessen.

Übergreifend zeigt sich ein heterogenes Bild der aktuellen Strukturwandelprozesse im Zulieferhandwerk, dem mit differenzierter Unterstützung der unterschiedlich betroffenen Gruppen zu begegnen ist.

Download der Studie

Als inhaltlicher Ansprechpartner zu den Ergebnissen dieser Studie steht
Dr. Petrik Runst zur Verfügung.



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